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Daniel Riese, Physiotherapuet MSc

Mit verbesserter Bewegungskontrolle Rückenschmerzen bändigen

06.07.2018

Foto © AdobeStock - Lovrencg

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem. Viele verschiedene Behandlungsansätze werden in der Medizin und in den therapeutischen Berufen verwendet, jedoch führen diese nicht immer zum gewünschten Erfolg.

In der klassischen Medizin werden bildgebende Verfahren zur Diagnose verwendet. Jedoch zeigen immer mehr wissenschaftliche Untersuchung, dass die Aussagekraft für die meisten Rückenschmerzpatienten sehr gering ist. In der klassischen Medizin werden bildgebendes Verfahren zur Diagnose verwendet. Die Aussagekraft für die meisten Rückenschmerzpatienten scheint dabei sehr gering zu sein. So zeigen immer mehr wissenschaftliche Arbeiten, das zum Beispiel im MRI aufgezeigte anscheinend Bandscheibenvorfälle genauso häufig bei Gesunden wie auch Patienten mit Rückenschmerzen auftreten.

 

Kräftigung alleine bringt nicht immer den Erfolg

Ein Aspekt der heute unbestritten ist, das Kräftigungstraining ein wichtiger Bestandteil der Therapie und auch der Prävention von Rückenschmerzen ist. Jedoch wenn Patienten mit Rückenschmerzen ein regelmässiges Krafttraining durchführen führt dieses nicht immer zum gewünschten Erfolg. In der Behandlung wird beim Krafttraining auf der Fokus auf die Rumpfmuskulatur gelegt, Auch hier zeigen neuere Untersuchung, dass diese Fokussierung auf ein spezifisches Training, nicht unbedingt besser sind als allgemeines Krafttraining.

Bewegungskontrolle im Fokus

Schon in den 90er Jahren entwickelte sich zunehmend die Überlegung, ob die aktive Kontrolle und die Wahrnehmung des Rumpfes bei der Behandlung von Rückenschmerzen eine entscheidende Rolle spielen könnte.  Hier spricht man von einer sogenannten Bewegungskontrolldysfunktion. Was bedeutet dies? Zu einer idealen motorischen Kontrolle gehört nicht nur die Kraft der Muskeln, sondern auch deren optimales Zusammenspiel und das richtige Timing vom Gehirn, die notwendige Muskulatur zu rekrutieren und zu koordinieren. Dies ist aber nur möglich, wenn das Gehirn eine genaue Information über die Stellung der einzelnen Wirbel im Rücken bekommt. Es stellt sich die Frage, ob die entscheidende Areale im Gehirn, welche zuständig sind für die Wahrnehmung und Steuerung unseres Körper, die richtigen Informationen bekommen und verarbeiten. 

Die Wahrnehmung kann entscheidend sein

Dieses Areal ist im Gehirn der sensorische Kortex, welches in der Grosshirnrinde liegt und für die zentrale Verarbeitung der Bewegungswahrnehmung zuständig ist. Neue Untersuchung zeigen, dass Patienten mit Rückenschmerzen in diesem Areal eine verminderte Repräsentanz des Rückens haben.  Der in der Schweiz ansässige Physiotherapeut und Professor der ZHAW (Bereich Physiotherapie) Hannu Luomajoki konnte 2007 mit einer klinischen Studie einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der verminderten Wahrnehmung und Rückenschmerzen aufzeigen. So hatten die untersuchten Probanden mit einer verminderten Bewegungskontrolle  ein 7,5-faches Risiko an Rückenschmerzen zu leiden, als Patienten mit einer guten Bewegungskontrolle.

Wie trainieren?

Um die Bewegungskontrolle im Rumpf zu trainieren, gibt es einfach durchzuführende Übungen, welche ohne grossen Aufwand zu Hause durchgeführt werden können. Wichtig bei diesen Übungen ist, dass der Fokus nicht auf der Kraft liegt, sondern auf der Kontrolle des Rückens. Hierzu ist es wichtig, dass ein Feedback möglich ist. Dies kann entweder durch eine andere Person erfolgen oder die Übungen werden vor einem Spiegel durchgeführt, damit es bei der Durchführung möglich ist, sich selber zu kontrollieren. Ziel jeder Übung ist es den Rücken möglichst stabil und gerade zu halten und keine zusätzlichen Bewegungen im Rücken zu machen.

 

 

Die folgenden vier Übungen (Bilder dazu in der Galerie) können hier als Grundübungen für die Bewegungskontrolle genutzt werden:

 

Übung Nr. 1:

Gehen Sie in die Kniebeuge, jedoch nur so tief, wie Sie es ohne zusätzliche Bewegungen im Rücken schaffen. Wiederholen Sie die Übung 10x.

 

Übung Nr. 2:

Stellen Sie sich in Ausfallschritt. Bewegen Sie jetzt ihren gesamten Körper nach unten indem sie die Knie beugen und kommen Sie wieder hoch durch das Strecken der Knie. Achten Sie darauf, dass der Rücken während der gesamten Übung aufrecht und stabil bleibt. Wiederholen Sie diese Übung 10x für jedes Bein.

 

Übung Nr. 3:

Gehen Sie in eine Unterarmstützposition (alternativ die Knie auf dem Boden abstützen), achten Sie darauf, dass Ihr Rücken die gerade Position hält. Halten Sie die Position nur so lange, wie Sie in der Lage sind den Rücken in dieser Position zu halten.

 

Übung Nr. 4:

Gehen Sie in die Handstützposition mit gestreckten Beinen. Legen Sie aus dieser Position die Knie auf den Boden ab und strecken Sie danach die Knie wieder. Achten Sie darauf, dass der Rücken sich nicht mitbewegt und die Position stabil bleibt. Wiederholen Sie die Übung 10x

 

 


Galerie: Bewegungskontrolle




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